1039
2.
Hesinde

Duell der Schnäppchenjäger - S1E1

Diesmal kein Datum

Wir schreiben den 02. Hesinde 1039 (ha reingelegt), es ist Nachmittag. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt und es weht ein leichter Wind. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 68%.

Auf der Landstraße, die sich als ein etwas weniger weißer Strich durch die weiße Landschaft zieht, reitet eine einsame Gestalt stetig ihrem Ziel entgegen. Sie trägt genug Metall am Körper um einen Alteisenhändler bis ans Ende seines Lebens glücklich zu machen und ist dadurch eindeutig als Salwinja erkennbar.

Die ritterliche Reiterin befindet sich auf der Rückreise, zu Burg Korswand, nachdem sie ihre Mission erfolgreich abgeschlossen hat. Anstelle einer Umarmung und einem herzlichen „Willkommen“ gibt es aber nur ein gebrülltes „Wer da“, begleitet von der Androhung, die unerwartete Besucherin bei einer falschen Antwort mit Bolzen zu spicken. Obwohl Piercings in den nächsten Jahren sicher groß in Mode sein werden, verzichtet S. auf die Möglichkeit einer Gratisbehandlung und gibt artig Auskunft.

Natürlich wird sie sofort zum Abtbaron durchgelassen und beide Parteien über die Ereignisse in Kenntnis gesetzt. Salwinja zeigt sich beeindruckt von Lugwins Kampfkraft und beschließt, das Training fortzusetzen. Obwohl das Lob den Erzähler zum Grinsen bringt, ist es doch nicht breit genug um die blauen Flecken auf seinem Körper zu verbergen.

Doch bevor sich alle zu einer Gruppenumarmung versammeln können, ruft ein erregter Litjew die gesamte Gruppe zu sich. Der Insasse Nestan, einer derer die sich für einen Adelsmarschall halten, scheint besessen zu sein. Ein Besuch in seinem Zimmer bestätigt diese Annahme. Wichtigster Hinweis: Er spricht Altgoblinisch und weicht konkreten Hinweisen und Aussagen aus.

Leider endet sein Zustand schnell und alle werden aus dem Zimmer geworfen. Da die Informationen immer noch nicht ausreichen um die Zusammenhänge zu verstehen, wird beschlossen, erstmal einige naheliegende Probleme in Angriff zu nehmen.

Salwinja handelt entsprechend ihrer Stärken und kommandiert einige Dorfbewohner herum. Sie schickt sie auf den Holzweg, genauer gesagt, den Schuppen auf dem Turm entrümpeln um der aventurischen Arbeitsaufsichtsbehörde in Sachen Brandschutz zuvorzukommen. Übrigens eine der langweiligeren Institutionen die das Akronym AA verwenden.

Danach schließt sie sich Kolja an und klopft den Überlebenden des Waldüberfalls (einen gewissen Dabbert von Meskinske Am. d. Red) weich – ausnahmsweise nur sprichwörtlich und nicht buchstäblich. Und auch ihr adeliger Hintergrund macht sich einmal mehr bezahlt, der Gefangene scheint ihr aus irgendeinem Grund zu vertrauen, sie erfährt sogar augenzwinkernd von einigen interessanten Hinweisen. Nur die nötigen Details fehlen noch.

Doch da kommt Kolja ins Spiel, beziehungsweise ins Zimmer. Aber nicht ihn seiner üblichen, grün schimmernden Drachenlederrüstung, sondern in der Kutte eines der Mönche!

Sofort schickt er Salwinja hinaus und beginnt, den jungen, unerfahrenen Knaben mit Worten einzulullen. In einer schauspielerischen Meisterleistung entzieht er seinem armen aber redseligen Gegenüber Information um Information. Der weiß sich nicht zu helfen, vermutet er doch einen Verbündeten und schon bald kommt der manipulierende Mönch aus der Zelle – ein aufmerksamer Beobachter hätte sicher ein leichtes Lächeln unter der Kapuze des gewitzten Gewandträgers bemerkt.

In der Zwischenzeit sind zwei sehr unterschiedliche Gestalten dabei, in Emjans Zelle einzudringen. Wie ein schlechter Abklatsch von Laurel und Hardy, wollen Bolgar und Innuendo sich nach verdächtigen Indizien umzusehen. Die erhoffte Geheimtür findet sich aber weder in Boden oder Wände und auch nicht in der Decke. Dafür scheint das Bett nicht nur zum Schlafen zu sein, es sei denn, der Besitzer der Zelle ist tatsächlich nicht mehr ganz bei Trost und hat seinen Teddybär gegen einen dreckigen Jutesack, einen Spatel und ein Gefäß mit weißlicher Kruste getauscht.

Letzteres wird erstaunlicherweise von Innuendo recht schnell identifiziert. Es scheint sich um dieselbe Art Mörtel zu handeln, die auch in der Gewölbewand verbaut ist. Es bleibt offen in welcher Art von dunklem, ungemütlichem Steinkeller der Dieb an sein Wissen gekommen ist.

Sofort beginnen die beiden damit, das alte Gemäuer abzusuchen. Gleich darauf hilft ihnen Kolja, der sich bis vor kurzem noch mit Fetanka unterhielt. Diese machte ihn auf ein Gedicht aufmerksam, das Zeilen enthält, die dem Gesagten von Nestan ähneln.

Die Suchenden haben schnell etwas gefunden, an einem Großteil der Wände gibt es Klopfspuren, als hätte jemand mithilfe eines Hammers die Struktur geprüft. Bolgar findet sogar noch mehr. An einer Stelle wirkt der Putz recht neu und eine Klopfprobe seinerseits lässt einen Hohlraum vermuten. Sofort macht sich der bergbauaffine Zwerg an die Arbeit und es dauert nicht lange, bis sich die Steine lockern lassen.

In diesem Moment sieht Bolgar rot. Sowohl buchstäblich, als literweise Blut aus dem Loch hervorströmen und auch im übertragenen Sinne – eben erwähnter Lebenssaft ruiniert bereits den zweiten Mantel in wenigen Tagen.

Doch das Blutopfer lohnt sich, im Loch versteckt findet er die perlmuttfarbene Figur eines Dachskopfes, aus dessen Maul weiterhin unaufhörlich Blut tropft. Stolz auf seinen Fund macht er sich gleich wieder an die Arbeit, denn auch Innuendo hat eine ungewöhnliche Stelle in der Wand bemerkt.

Kurze Zeit später ist der Zwerg erneut erfolgreich, wieder strömt ihm das nicht-vegane Äquivalent zum Traubensaft entgegen. Dieses Mal befindet sich die Hälfte eines Hirschgeweihs hinter den Steinen. Ebenso perlmuttfarben, ebenso blutend.

In eben diesem Moment bemerkt Kolja aber eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Als er sich umdreht sieht er niemand anderes als Travine, die die Gruppe aus großen Augen anstarrt – um dann flugs kehrt zu machen. Doch die Abenteurer sind auf Zack, sowohl Innuendo als auch Kolja folgen ihr auf dem Fuße.

Die Verfolgungsjagd endet vor der Tür die aufs Turmdach führt, leider ist sie verriegelt und auch der massive Einsatz von Koljas Schulter kann dem nicht Herr werden. Während Innuendo, leicht angeschlagen aber immer noch fit, sich wieder auf den Weg nach unten macht um ein Brecheisen zu besorgen, hält Kolja die Stellung. Er wird bald von Salwinja verstärkt, die wieder einmal zeigt, dass der Geist über Materie triumphiert. Vor allem wenn der Geist dutzende Kilo Muskeln aus besagter Materie bewegen kann, die aus jeder Tür Kleinholz machen.

Das Spektakel macht Eindruck auf Travine, sie ergibt sich ohne Gegenwehr. Nicht zuletzt ist ihre Kapitulation nur deshalb Formsache, da durch das Wegräumen des Holzes ihr Plan komplett durcheinander geschmissen wurde.

Auf dem Weg nach unten wird der, nun doch etwas erschöpfte, Innuendo eingesammelt und die Jäger kehren mit ihrer Beute gerade rechtzeitig für ein interessantes Schauspiel zurück.

Der Gefangene Emjan wird in diesem Moment aus dem Verhandlungszimmer geführt. Als er den Zwerg im Carry-Cosplay mit seinen Trophäen erspäht, entgleisen seine Gesichtszüge nicht nur, sondern rasen mit Höchstgeschwindigkeit in ein Chemiekraftwerk, klar zu erkennen an den giftigen Blicken die er den Anwesenden zuwirft.

Sowohl er als auch die nicht mehr ganz so unschuldig wirkende Travine werden in Zellen gesperrt. Und sofort danach wird auch Bruder Rochnow während eines Spazierganges festgesetzt.

Beim anschließenden Verhör durch den Abtbaron knickt der böse Bruder ein. Er gibt zu, Emjan von früher zu kennen, dass dieser sich mit Travine eingeschlichen habe um für den bornischen Adel einige Gegenstände zu besorgen und, dass Bruder Rochnow selbst durch die Fackelzeichen einen Angriff der Verbündeten zurückgehalten hatte. Es wird ihm verboten sein Zimmer zu verlassen, bis geklärt ist, ob er wirklich aus gutem Willen gehandelt hat.

Anschließend klopfen die Helden sich auf die Schulter, trotz der Belagerer vor den Toren ist die Stimmung gut. Wichtige Gegenspieler wurden festgesetzt und gleich mehrere Artefakte befinden sich nun in vertrauenswürdiger Hand.

Bei einer Umfrage einige Jahre später gaben drei von sechs Helden an, sich in diesem Moment vorsichtig optimistisch gefühlt zu haben.

Erstellt von Benjamin
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Kommentare

Ich bin mal gespannt ob in einigen Jahren noch 3 von 6 Helden am Leben sein werden um an der Umfrage teilzunehmen :)

Geschrieben von admin am 20.10.2019 um 12:53
Ich wollte eigentlich einen Kevin Spacey Witz einfügen, habe das aber aus Takt gelassen. Mal schauen ob ihr herausfindet wo er hin sollte

Geschrieben von Benjamin am 17.10.2019 um 17:09