1039
1.
Hesinde

Der dunkle Turm

01. Hesinde 1039

Es gibt einige sehr schöne Arten geweckt zu werden. Von den ersten Sonnenstrahlen wachgekitzelt, nachdem man eine Nacht im Freien gezeltet hat. Durch lieblichen Vogelgesang. Oder durch den Duft frisch gebackenen Brotes, das der Partner an einem Sonntagmorgen ans Bett bringt.

Das Geräusch malträtierter Küchengeräte gehört allerdings nicht dazu.

Trotzdem erfüllt es seinen Zweck mindestens genauso gut und zwingt unsere altbekannte Heldengruppe zum Aufstehen. Dummerweise hat es aber nicht zum Frühstück gescheppert, sondern zur Morgenandacht, die Salwinja von Elkenacker trotzdem brav in Gesellschaft von Marissja und Ilbin über sich ergehen lässt.

Da die Andacht sehr reichhaltig an geistiger Nahrung ist, gibt es anschließend nur ein leichtes Mahl, um den Körper nicht zu sehr zu erschöpfen. Von seinem grummelnden Magen abgelenkt, lässt sich Lugwin Nebelbühl, von der durchaus ansehnlichen Marissja, überreden, sie bei den geplanten Waffenübungen zu unterstützen.

Gesagt, getan und nach einer kurzen Einführungslektion von Salwinja, die die Grundregeln des bewaffneten Kampfes behandelt, geht es an die eigentlichen Übungen. Da diese Angriff und Parade in einem festen Muster verbinden, schlägt sich selbst der unerfahrene Lugwin nicht schlecht. Das stellen auch Bolgar und Kolja fest, die in diesem Moment auftauchen und das Treiben noch eine Weile weiter beobachten.

Als echte Arbeitstiere halten sie sich aber nicht lange mit dem Vergnügen auf, sondern stellen sich dem Abt vor – als Begleiter und Aufpasser von Päda, einem jungen Adeligen mit Wahnvorstellungen. Der Abtbaron scheint über mehr finanzielle als geistige Mittel zu verfügen, denn er kauft es ihnen ab.

Nachdem die beiden also ganz unbekümmert einen hochrangigen Praiosgeweihten angeschwindelt haben, setzt man sich in Innuendos Zimmer zusammen und tauscht sich aus.

~Intermezzo~

30. Boron 1039

Es war ein heller, sternenloser Tag, als das ungleiche Duo Bolgar und Kolja das Dorf Korswand betritt. Vorbei an dem Schrein einer Frau, die eine Ähre hält, treffen sie den Bauer Ugo, bei dem sie für die Nacht unterkommen können. Da es aber noch etwas zu früh für sie ist um sich zur Ruhe zu legen, informieren sie sich noch über die Umgebung. Dabei fällt ihnen auf, dass Burg und Burgwand tatsächlich erkletterbar wären, sollte das nötig werden. Und sie finden eine Stelle im Wald, an der sich regelmäßig jemand aufzuhalten scheint. Die Spuren führen tiefer in den Wald, doch die einbrechende Nacht zwingt zur Umkehr.

Zurück bei Ugo entdeckt Kolja seinen inneren Johan Lafer und versucht ein Mahl für die Gastfamilie zuzubereiten. Trotz den bescheidenen Umständen schafft er es, ein mehr als passables Mahl zu produzieren – selbst der skeptischen Bäuerin Girlande Girlinde scheint es zu schmecken.

Zum Abschluss des Mahls gibt es einen kleinen Umtrunk, der, dank Alrikseis Mithilfe, schnell Wirkung bei den unbedarften Untertanen eines Praioten zeigt.

Die Zunge durch den Alkohol gelöst, berichten diese sehr freigiebig von der Umgebung. Vom nächtlichen Fackelschein, den Geboten und dem Gebaren des Abtbarons und von der leerstehenden Taverne. Es dauert nicht lange und die Zunge des redseligen Bauerns wird schwerer und schwerer, bis sie schließlich seinen Kopf auf den Tisch zieht und deutliche Schnarchlaute vernehmbar sind.

Das nehmen die beiden Abenteurer, die wohlweislich einen gemäßigteren Alkoholkonsum an den Tag legten, zum Anlass, sich draußen umzusehen. Und tatsächlich entdeckt Kolja, der sich and die vorher gefundene Stelle anschleicht, eine Stiefelspitze. Bevor er sich für eine Aktion entscheiden kann, hört er hinter sich ein Geräusch. Doch als er sich umdreht, wird er plötzlich von der Position angegriffen, die er beobachten wollte. Es sieht so aus, als hätte sein Gegenüber ihn mit Steinen abgelenkt, um ihn jetzt anzugreifen.

Kolja ist absolut dagegen, sich mit einem derartigen taktischen Genie zu messen und tritt zur Flucht an. Das Manöver gelingt, der überraschte Gegner lässt ihn kurzerhand laufen.

Bei Bolgar angekommen, entscheiden die beiden sich dafür, den Fremden in Ruhe zu lassen. Sie rechnen sich bei Tageslicht bessere Chancen aus.

In der Zwischenzeit hat Bolgar versucht, mithilfe seines Fernglases, Details an der Gestalt auf der Turmspitze ausfindig zu machen, die mithilfe einer Fackel Lichtzeichen gab. Leider war der Schuft sehr helle, wortwörtlich, vom Licht geblendet konnte der genervte Zwerg nichts erkennen.

~Intermezzo Ende~

01. Hesinde 1039

Kurzerhand wird entschieden, Salwinja nach der Spektrabilität zu schicken, um eine vertrauenswürdige Magiekennerin zur Unterstützung zu haben. Laut Innuendo ist sie mit ihrem „Pony“ da wahrscheinlich am schnellsten. Dieser ungebührliche Ausdruck verleitet prompt Kolja zu der Frage, ob bei dem bürgerlichen Dieb vielleicht eine unterschwellige Abneigung gegen die adelige Ritterin bestünde, begründet auf dem Umstand, dass letztere den Langfinger immer zur Hilfe zwingt. Das verwirrt Innuendo einigermaßen, Unterschwelligkeit hatte er doch nie beabsichtigt.

Die ritterliche Reiterin gibt dem Ross die Sporen und erreicht recht bald Uspiaunen. Auch die Magistra ist einfach zu finden, doch anstehende Verpflichtungen machen es ihr unmöglich, auf Burg Korswand einzutreffen. Sie verspricht jedoch, einen örtlichen Magier zu schicken, der vertrauenswürdig und fähig sei.

Auf Burg Korswand unterhält Lugwin währenddessen einige Gefangene mit Geschichten von der Außenwelt und lenkt dadurch auch Bruder Rochnow ab, so dass Bolgar und Innuendo dessen Zimmer durchsuchen können. Sehr zu ihrem Leidwesen finden sie nichts, aber Bolgar bekommt eine weitere Vision von Terrinja mit, die einige Mönche in helle Aufregung zu versetzen scheint. Der ahnungsvolle Zwerg schickt Innuendo sofort auf den Turm, um eventuelle Signale zu unterbinden. Als dieser auf dem Turm ankommt, fällt ihm sofort etwas auf – die Abwesenheit jedweder Art von Leuchtfeuer. Nochmal Glück gehabt.

Dafür ist eine Rauchsäule nahe einiger Felsformationen zu erkennen und hätte der Einbrecher nur etwas bessere Augen, könnte er unter dem Blattwerk die Gestalten von Kolja und Alriksei erkennen, die in diesem Moment die Spuren von letzter Nacht verfolgen.

Tatsächlich sind die beiden sehr erfolgreich, sie finden einen alten Mann, der zwischen Ranken feststeckt, während ein Mädchen versucht ihn zu befreien. Sogleich stellt der Waldläufer sich als Innuendo vor und bietet großzügig seine Hilfe an, was für jeden Bekannten die Täuschung auf der Stelle unglaubwürdig macht.

Nicht lange, nachdem sie die beiden unglücklichen Reisenden wieder auf ihren Weg geschickt haben, finden sie auch das Ziel, zu dem die Spuren sie führen. Ein komplettes Lager, mitten im Wald. An verschiedenen Stellen in selbigem finden sie vier Wappen. Einen herabstürzenden Vogel, einen Mantikor, ein Einhorn und eine Schwalbe.

Auf einmal betreten zwei neue Besucher das Lager, ein ältlicher Mann und eine junge Frau. Es sind die beiden hilflosen Reisenden von vorhin, die nicht nur über ihr Ziel und ihre Namen gelogen haben, sondern auch eindeutig adeliger Herkunft sind.

Geschockt von dieser unerwarteten Entwicklung machen sich Kolja und Alriksei auf den Rückweg.

Unterdessen sind Bolgar und Lugwin auch nicht untätig, aber dafür in ihrem Element. Sie durchforsten die unzähligen verstaubten Akten der Burgbibliothek. Leider sind die Akten über Terinja III von Ilbenstein, Tirulf und Emjan von Hersakurje sehr kryptisch und bieten wenig Aufschluss.

Als Ausgleich zu der eher theoretischen Arbeit möchte Bolgar nun etwas handfestes zu tun haben und legt sich mit Innuendo auf der Turmspitze auf die Lauer. Und tatsächlich, sie ertappen eine Gestalt auf frischer Tat. Dummerweise machen sie zu viele Geräusche und Bruder Rochnow, denn niemand anders ist es, dreht sich um und beginnt sofort auf Goblinisch zu brabbeln. Der herbeigerufenen Lugwin übersetzt geflissentlich, aber es handelt sich nur um dieselben altbekannten Phrasen.

Die Versammelten lassen den armen, übermüdeten Bruder nach Ende der Vision zu Bett gehen. Etwas ratlos, wie es nun weiter gehen soll, bleiben die anderen in der kalten Nacht zurück.

Erstellt von Benjamin
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Kommentare

Ich hab das Gefühl, das wird jedes Mal mehr zu schreiben

Geschrieben von Benjamin am 11.09.2019 um 17:34