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30.
Boron

Das Geheimnis der Lichtung

Hat Innuendo im Himmelbett weniger gut geschlafen als wir anderen auf unseren Pritschen? Jedenfalls zeigt er sich ungeneigt, der hübschen Salwinja künftig weiterhin beim An- und Ablegen ihrer Rüstung zu helfen – Knappendienste widersprechen seinen phexgefälligen Prinzipien dann wohl doch zu sehr.

Im Tempel und auch anderweitig erfahren wir nichts Neues mehr und brechen mit den Norbarden auf. Die Fahrt geht mitten durch den Korsforst, um den sich eine Menge düsterer Legenden ranken, zum Beispiel von Geistern und einem schwarzen Kriegsgott der Goblins.

Am späten Nachmittag verlassen wir mit Fetanka und drei weiteren Norbarden die Straße, nehmen einen Pfad und finden bald das Zeichen, dem die Zibilja folgen soll. Sie macht auch die verabredeten Klopfzeichen an den Bäumen – ein durchaus seltsamer Ritus für ein solches Treffen.

Wir erreichen den Treffpunkt, eine Lichtung, auf der ein einzelner Baum steht. Aus jeder Himmelsrichtung führt ein Pfad dorthin, und im Hintergrund ragt die Burg Korswand auf – ein ebenso mächtiges wie düsteres Gebäude mit einem hohen Burgfried.

Es ist niemand in der Nähe, und die Wege wurden in den letzten Tagen nicht benutzt, das überprüfen Kolja und Innuendo sofort. Aber an dem Baum und auf einem daran angelehnten Stock finden sich laienhaft geschnitzte Runenzeichen ohne erkennbare Bedeutung. Sie erinnern eher an das sinnlose Gekritzel eines Kindes, das zu schreiben versucht. Auch der Stock ist nicht magisch, das überprüfe ich mit einem Zauber.

Wir nehmen rund um die Lichtung Stellung ein und warten. Nach einer Weile eilt nicht etwa Junker Anshag von Rodebrannt-Ask auf die Lichtung, sondern vier Gestalten in schweren Stiefeln. Ihr halbglatziger Anführer im goldweißen Ornat trägt ein kampfkräftiges Sonnenzepter und ein Schwert. Seine Begleiter sind nicht minder schwer bewaffnet und stecken in goldenen Rüstungen. Sie bezichtigen Zibilja Fetanka der Hexerei, Paktiererei und einem Bund mit Dämonen und nehmen sie fest. Salwinja tritt sogleich vor und nimmt sie in Schutz. Ich bin wirklich froh, dass es dabei nicht zum Kampf kommt! Der Praiosgeweihte, Jidomir von Korswand, scheint gesprächsbereit und Salwinja, Fetanka und die drei anderen Norbarden folgen den Bewaffneten bereitwillig auf die Burg Korswand, um die Vorwürfe zu klären. Auch Lugwin gibt sich zu erkennen und schließt sich ihnen an.

Wir anderen bleiben erschrocken zurück, verstehen nun aber immerhin die Sache mit den Schnitzereien. Wir sehen uns um und erkennen am Turm weder Leuchtfeuer noch andere Signale. Wie sollen wir weiter vorgehen?

***

Eine Rampe führte hinauf in einen Burghof mit etwa zwei Dutzend Häusern. Salwinja wollte gerade für die Unterbringung ihres Pferdes sorgen, da kam einer der Verrückten auf sie zu und glaubte sie zu erkennen. Er hielt sich für den verstorbenen Gerbald von Ruckenau, dessen Geist sie vor Kurzem begegnet war.

Von einer Stallmagd erfuhr Salwinja bald die aktuellen Neuigkeiten: Hier im Korsforst sei ein Klopfen zu hören gewesen und eine Hexe gesehen worden. Das habe ihr jemand namens Semkin erzählt. Seitdem, soviel sei sicher, würden die Insassen der Anstalt noch mehr spinnen als zuvor. Sie sprächen, als seien sie jemand anders, und das sei wirklich ungewöhnlich.

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