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19.
Boron

Kolja und die Kammer des Schreckens

„Gut, wir haben jetzt ja etwas Zeit, also möchte ich dir, wie gestern versprochen, alles genau erzählen.

Du erinnerst dich sicher, dass wir zuerst einfach nicht auf eine Strategie einigen konnten oder, besser gesagt, einen Plan. Nicht dass wir nicht alle gute Ideen hatten, aber es fiel uns auch echt leicht die Schwachpunkte unserer einzelnen Pläne zu entdecken. Offen gestanden wundert mich, dass wir bei so vielen praktischen Professionen in der Gruppe doch eher theoretisch veranlagt sind. Egal, zurück zur Geschichte.

Nach unserer größtenteils fruchtlosen Beratung machten ich und Kolja uns wie besprochen auf den Weg zum Anwesen von Bruchklinger. Oh und ich wollte dich noch loben, dass du die Wache am Tor so erheitert hast. Deine Frage, ob die Kutsche von Pferden gezogen worden sei, hat ihm sicher den Tag versüßt. Naja, weiter geht’s.

Also die ersten paar Stunden der Überwachung waren echt langweilig. Es war so wenig los, dass ich Zeit hatte aus einem Ast einen Ast ohne Rinde zu schnitzen. Hätte mich fast einen Daumen gekostet. Eigentlich wollte ich ihn dir schenken, aber ich habe ihn verloren. Jaja, ich mache ja weiter.

Wie gesagt ist erst einmal nichts passiert, bis auf einmal diese Kutsche heranrast und den Bruchklinger samt einigen rauen Gestalten ausspuckt. Natürlich hatte ich sofort die Annahme, dass unser Besuch entdeckt worden sei.

Prompt kam dann auch Kolja vorbei und hat mich so erschreckt, dass ich beinahe vom Ast gefallen wäre. Der Kerl bewegt sich im Wald leiser als eine Katze, wirklich gruselig sage ich dir.

Egal, wir waren uns also unsicher ob wir jetzt noch versuchen sollten ins Haus zu gelangen. Bis in die Nacht saßen wir da und haben überlegt was wir machen sollen, bis Kolja den entscheidenden Einfall hatte. Man sieht es ihm nicht an aber er ist relativ helle.

Naja, er schlug vor, dass wir mit uns der Patrouille auf dem Grundstück in Verbindung setzen und sie überreden und vielleicht auch bestechen, so dass sie uns auf das Grundstück lassen und wir uns umsehen können.

Ha ja, genau das Gesicht habe ich zuerst auch gemacht. Aber je länger ich drüber nachdachte, desto besser erschien mir die Idee. Riskant, beinahe wahnwitzig, aber wer lehnt schon gutes Geld ab? Vor allem wenn er dafür nichts machen muss als wegzusehen?

Wir gehen also auf die Wachen zu und sprechen sie an, ja einfach so! Ich erzähle ihnen das Blaue vom Himmel, dass wir von einem Geschäftspartner Bruchklingers geschickt wurden, dass er übers Ohr gehauen wurde und wir uns auf sein Geheiß mal auf dem Grundstück umsehen sollen und so weiter. Und natürlich, dass wir ganz sicher versprechen nichts mitzunehmen und wie sie für ihre Mühe entlohnen werden. Die Entlohnung fiel übrigens höher aus als erwartet und hätte Kolja denen nicht erzählt, dass nach uns andere kommen, die nicht so friedlich sind, hätte es noch schlimmer kommen können.

Naja, wir können das ja aus der Gruppenkasse bezahlen. Was denn, das war doch eine Aktion im Interesse der Gruppe!?

Na gut, darüber reden wir später noch.

Wir geben ihnen also die Hälfte im Voraus und sie versprechen uns sogar ihre Ablösung wegzulocken. Sie halten Wort, wir gehen rein und direkt durch das Esszimmer in die Küche. Ich betrete sofort die Speisekammer und beginne mich auszuziehen, kein Grund Rot zu werden, es war nur die Winterkleidung und wir bereiten den nächsten Teil unseres Plans vor.

Ich gebe Kolja meine Ausrüstungsgegenstände und schnappe mir dafür ein Tablett, gefüllt mit Speisen und zwei Bierkrügen. Außerdem ziehe ich mir eine Schürze über unter der ich meinen Dolch verstecke. Naja, einen meiner Dolche.

Dann sind wir die Treppe runter, alles war still und dunkel. Vor der Tür die wir übersehen hatten waren überraschenderweise keine Wachen und ich befürchtete schon, dass sich dahinter nur ein weiterer leerer Lagerraum befände.

Und ich hatte recht.

Aber in diesem Lagerraum war eine Tür in der Wand und dahinter, das glaubst du eh nicht, ein Loch im Boden das in ein viel älteres Gebäude führte! Wir haben den Bereich durchsucht aber nichts Interessantes gefunden, also sind wir natürlich runtergegangen. Ich mutig voran, aber unten waren nur Spinnen und Ungeziefer.

Eine Tür führte in eine alte Krypta, Kolja meinte, dass es sich dabei um die Gräber von Bruchklingers Vorfahren handeln muss, aber sonst fanden wir dort nichts Interessantes.

Wir sind dann zurück, ich bin durch die nächste Tür und sofort wurde ich von jemandem angeschrien. Vor mir befand sich eine eingezogene Holzwand, mit einer Tür zwischen zwei Schießscharten und dahinter befanden sich offensichtlich mehrere Leute. Ich sagte, dass ich ihnen etwas zu essen und zu trinken brächte aber sie weigerten sich trotzdem mir die Tür zu öffnen. Nur durch meine unglaublichen Überredungskünste gelang es mir, sie dann doch zum Öffnen der Tür zu bewegen.

Dahinter war ein kleiner Raum, gerade genug platz für zwei Wachen und einen Tisch. Ich habe der ersten Wache das Tablett in die Hand gedrückt und ihr ein bekömmliches Mahl gewünscht. Und das war das Wort, dass ich mit Kolja ausgemacht hatte.

Während der Wachmann noch das Tablett in der Hand hielt, zog ich sofort meinen Dolch und hielt ihn ihm an die Kehle! Kolja war aufmerksam geblieben und kam sofort herangestürmt, den gespannten Bogen in der Hand haltend! Die beiden hatten keine Chance und ergaben sich beinahe sofort.

Wir haben sie dann professionell gefesselt und während Kolja sie bewachte, ging ich weiter.

Im Gang dahinter ist es dann passiert. Ich habe eine offensichtliche Falle lässig umgangen und bin dadurch direkt in die nächste gelangt. Unglaublich hinterhältig. Ich sprang nach vorne, um den Speeren, die plötzlich aus der wand geschnellt kamen, zu entgehen. Aber ich wäre beinahe zu langsam gewesen! Phex‘ Beistand ist es zu verdanken dass ich jetzt vor dir stehe, denn er ließ mich dem Tod entgehen.

Ich habe mich dann aufgerafft und bin weiter und hinter der nächsten Tür, war ich definitiv richtig. Es war ein Raum mit drei Truhen, bis zum Rand gefüllt mit Gold! Ich sage dir, es war wunderschön anzuschauen. Es blinkte mir aus allen Ecken entgegen, es funkelte schöner als die Sterne am Nachthimmel und das Licht der Fackel ließ die Münzen glitzern. Ich hätte stundenlang dort stehen und sie ansehen können. Es schmerzt mich, dass ein solch immenser, unglaublicher Reichtum in den Händen von Bruchklinger liegt.

Naja, da ich das eigentliche Objekt eurer Begierde, die Knochenkeule, nicht finden konnte, untersuchte ich die Truhen auf doppelte Böden und tatsächlich, unter einer befand sich, gut versteckt, die Knochenkeule! Auch wenn der Anblick des Goldes umwerfend war, das Gefühl als ich sie in der Hand heilt war auch nicht zu verachten. Nicht nur weil wir sie endlich hatten, sondern auch weil sie sogar für mich spürbar magische Kraft ausstrahlte.

Ich bin dann sofort mit ihr zurück zu Kolja und wir sind zurück nach oben. Wir entkamen durch dieselbe Luke wie letztes Mal, mussten noch kurz vor den Wachen flüchten, die uns aber nicht verfolgten und kehrten schließlich zurück zur Magierakademie.

Dort haben wir dann Wippflügler und euch verständigt und den Rest kennst du ja. Aber da Runar geschlafen hat werde ich es ihm erzählen.

Also Wippflügler war sehr erfreut, hat uns aber nicht übermäßig reich belohnt. Nicht finanziell zumindest. Aber wir erhielten von ihm einen Ring, mit einer speziellen Verzauberung, mit der wir drei Mal jemanden garantiert von etwas überzeugen können.

Außerdem erhielten wir von ihm unsere nächste Aufgabe, wir sollen eine Geweihte und ein Buch zum Roten Widder eskortieren. Schön, ruhig und entspannt. Das haben wir uns verdient.

Eine Sache noch, dein Frauchen hat mir erzählt dass sie einen Identifikationszauber wirkte, aber anstatt dass Mindergeister erschienen, kam eine Rauchgestalt aus der Keule und ist direkt durch sie durch. Das Ding ist definitiv hochmagisch.

Oh, ich sehe gerade, dass wir an unserem Ziel angekommen sind. Was für ein erstaunlich praktischer Zufall, dass wir genau dann fertig geworden sind.

Schauen wir mal was uns erwartet.“

Erstellt von Benjamin
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